
Rudolf Heß: Flug, Haft und mysteriöser Tod
Rudolf Heß war Hitlers Stellvertreter – doch sein Alleinflug nach Schottland 1941 wirft bis heute Rätsel auf. 46 Jahre saß er in Haft, bis zu seinem Tod 1987 unter mysteriösen Umständen.
Geburtsdatum: 26. April 1894 · Flug nach Schottland: 10. Mai 1941 · Dauer der Haft: 46 Jahre (1941–1987)
Kurzüberblick
- Ob Heß wirklich geisteskrank war oder simulierte (WELT Dokumente)
- Ob sein Tod selbstverschuldet oder inszeniert war (n-tv)
- Letzte Worte sind nicht belegt (WDR)
- Akten werden weiter ausgewertet – keine vollständige Klärung der Flugmotive absehbar (BBC News)
- Historiker fordern Offenlegung aller britischen Geheimdienstakten (WELT)
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Lebensdaten zusammen.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Vollständiger Name | Rudolf Walter Richard Heß |
| Geburtsort | Alexandria, Ägypten |
| Todesdatum | 17. August 1987 |
| Todesort | West-Berlin |
| Hauptverbrechen (Urteil) | Verbrechen gegen den Frieden, Verschwörung |
| Haftdauer | 46 Jahre |
| Familie | Ehefrau Ilse, Sohn Wolf Rüdiger |
Was geschah mit dem Flugzeug von Rudolf Heß?
Die Route und der Absturz in Schottland
- Heß startete am 10. Mai 1941 gegen 17:45 Uhr mit einer Messerschmitt Bf 110 vom Flugplatz Augsburg (Wikipedia (de)).
- Nach einem Alleinflug über die Nordsee sprang er mit dem Fallschirm nahe Eaglesham in Südwestschottland ab (WELT).
- Die Maschine stürzte ab und wurde später von den Briten geborgen und untersucht.
Der Flug fand nur wenige Tage vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion statt – ein Zeitpunkt, der Spekulationen über einen versuchten Separatfrieden nährt.
Das Schicksal der Messerschmitt Bf 110
- Die Bf 110 war ein zweimotoriges Jagdflugzeug, das Heß selbst umgebaut hatte, um die Reichweite zu erhöhen.
- Nach dem Absturz wurde das Wrack von der Royal Air Force untersucht; Teile sollen später als Schrott verkauft worden sein.
- Über den endgültigen Verbleib des Flugzeugs gibt es keine gesicherten öffentlichen Aufzeichnungen.
Das Paradox: Ausgerechnet der Mann, der Frieden mit Großbritannien aushandeln wollte, landete als Kriegsgefangener auf britischem Boden. Die Motive bleiben bis heute Gegenstand historischer Debatten.
Wie lange war Rudolf Heß in Gefangenschaft?
Von der Festnahme 1941 bis zum Suizid 1987
- Nach der Landung wurde Heß von örtlichen Bauern gestellt und an die britische Armee übergeben (WELT).
- Bis Kriegsende blieb er in britischer Kriegsgefangenschaft, dann wurde er nach Nürnberg überstellt.
- 1946 verurteilten die Alliierten ihn zu lebenslanger Haft – nicht Tod, weil er nicht an der Endphase der NS-Verbrechen beteiligt war (BBC News).
Die Jahre im Kriegsverbrechergefängnis Spandau
- Ab 1947 war Heß im alliierten Kriegsverbrechergefängnis Spandau in Berlin inhaftiert.
- Ab 1966 war er der einzige Insasse – die anderen Mitverurteilten waren entlassen oder verstorben (WELT).
- Bis zu seinem Tod 1987 blieb er isoliert; Besuche durch Angehörige waren stark eingeschränkt.
Fazit: 46 Jahre Haft bedeuten die längste Gefangenschaft eines NS-Täters. Für die alliierten Mächte war Heß eine juristische und politische Sonderrolle – weder begnadigbar noch freilassbar.
War Rudolf Heß geisteskrank?
Psychiatrische Gutachten und Amnesie-Vorwürfe
- Heß klagte während der Nürnberger Prozesse über Gedächtnisverlust (Amnesie) (WELT (Dokumente)).
- Mehrere Gutachter stellten zeitweise Paranoia fest, hielten ihn aber für verhandlungsfähig.
- Nach dem Prozess besserte sich sein Zustand nach Angaben der Gefängnisärzte.
Die Kontroverse um seine geistige Gesundheit
- Historiker streiten, ob Heß simulierte oder tatsächlich psychisch krank war.
- Einige Darstellungen sehen eine bewusste Täuschung, um dem Galgen zu entgehen.
- Die Aktenlage erlaubt keine eindeutige Diagnose – die Frage bleibt offen.
Selbst die führenden Psychiater der Alliierten kamen zu keinem einheitlichen Urteil. Die Spannung zwischen simulierter und echter Krankheit prägt bis heute das Bild von Heß.
Die Uneinigkeit der Gutachter zeigt, wie schwer eine retrospektive Diagnose fällt – das Bild des „verrückten“ Heß bleibt ebenso plausibel wie das des kalkulierenden Täters.
Was passierte mit der Frau von Rudolf Heß?
Ilse Heß: Leben nach dem Krieg
- Ilse Heß (geb. Pröhl) heiratete Rudolf Heß 1927 in München.
- Nach dem Flug 1941 wurde sie von den Nationalsozialisten unter Hausarrest gestellt.
- Nach dem Krieg setzte sie sich unermüdlich für die Freilassung ihres Mannes ein (Wikipedia (de)).
Ihre Rolle und öffentliche Auftritte
- Ilse Heß veröffentlichte Briefe ihres Mannes aus der Haft und schrieb ein Buch.
- Sie blieb bis zu ihrem Tod 1995 eine umstrittene Figur, weil sie die NS-Vergangenheit relativierte.
- Ihr Einsatz trug dazu bei, dass Heß in der rechtsextremen Szene als Märtyrer stilisiert wurde.
Das Muster: Die Familien beider Seiten – Ehefrau und Sohn Wolf Rüdiger – hielten bis zuletzt an der Version eines unschuldig gefangenen Friedensboten fest. Für die historische Forschung ist diese posthume Verehrung ein eigenes Kapitel der NS-Aufarbeitung.
Was ist mit Rudolf Heß passiert?
Seine letzten Jahre und mysteriöser Tod
- Heß verbrachte seine letzten Lebensjahre als einziger Häftling in Spandau – bewacht im Vier-Mächte-Rhythmus von USA, UdSSR, Großbritannien und Frankreich.
- Am 17. August 1987 wurde er tot in einer Gartenlaube aufgefunden (WDR).
- Die offizielle Todesursache: Suizid durch Erdrosselung.
Die Umstände des Suizids 1987
- Der Tod wurde als Selbstmord eingestuft, doch Zweifel an dieser Version bestehen bis heute (n-tv).
- Der Sohn Wolf Rüdiger Heß und einige Historiker (darunter David Irving) vermuten Mord – eine These, die von offizieller Seite bestritten wird.
- Die genauen letzten Worte von Heß sind nicht gesichert; es kursieren widersprüchliche Überlieferungen.
Die offizielle Suizid-These wurde von den Vier Mächten einheitlich vertreten, doch die Geheimhaltung vieler Details – etwa die fehlende Obduktion durch unabhängige Stellen – heizt die Zweifel an. Für die Angehörigen bleibt der Tod bis heute nicht vollständig aufgeklärt.
Das bedeutet: Selbst nach Jahrzehnten bleibt der Tod von Rudolf Heß ein offenes Kapitel der Zeitgeschichte, das immer wieder neu verhandelt wird.
Zeitleiste: Rudolf Heß – Schlüsseldaten
- 26. April 1894: Geburt in Alexandria, Ägypten
- 1920: Eintritt in die NSDAP
- 1933: Ernennung zum Stellvertreter des Führers
- 10. Mai 1941: Flug nach Schottland (BBC News)
- 1946: Urteil in Nürnberg: lebenslange Haft (WELT)
- 1966: Einziger Insasse des Spandauer Gefängnisses (WELT)
- 17. August 1987: Tod durch Suizid in Spandau (WDR)
Bestätigte Fakten
- Heß flog am 10. Mai 1941 nach Schottland (BBC News)
- Er wurde 1946 zu lebenslanger Haft verurteilt (WELT)
- Er starb am 17. August 1987 in Spandau (WDR)
- Seine Frau hieß Ilse Heß (geb. Pröhl) (Wikipedia (de))
Was unklar ist
- Ob Heß wirklich geisteskrank war oder simulierte
- Ob sein Suizid inszeniert oder von Dritten verursacht wurde
- Seine genauen letzten Worte sind nicht belegt
- Ob er ernsthafte Friedensverhandlungen führen wollte
„Heß sprang am 10. Mai 1941 mit dem Fallschirm über Schottland ab.“
WELT (Tageszeitung)
„Der Flug wurde allgemein als Versuch interpretiert, einen Separatfrieden mit Großbritannien zu erreichen.“
„Es existieren bis heute Spekulationen über einen möglichen Selbstmord und alternative Todeshypothesen.“
Das Bild, das bleibt: Rudolf Heß war mehr als nur Hitlers Stellvertreter – er war eine Symbolfigur für das Ungeklärte im Dritten Reich. Sein Flug, seine langsame Haft und sein rätselhafter Tod lassen die Frage offen, ob die offizielle Geschichte die ganze Wahrheit enthält. Für die historische Forschung gilt: Die Akten sind noch nicht geschlossen, die Debatte über Motive und Todesumstände wird weitergehen.
express.de, welt.de, en.wikipedia.org, spiegel.de, deutschlandfunk.de, es.wikipedia.org
Ein detaillierter Bericht über 46 Jahre Gefangenschaft und ungeklärter Tod beleuchtet die ungeklärten Umstände seines Todes.
Häufig gestellte Fragen
War Rudolf Heß der Stellvertreter von Hitler?
Ja, von 1933 bis 1941 war er offiziell „Stellvertreter des Führers“ und damit nach Hitler die Nummer zwei in der NSDAP.
Welche Rolle hatte Heß in der NSDAP?
Er leitete die Parteiorganisation, war für Personalentscheidungen zuständig und unterzeichnete zahlreiche Verordnungen – darunter die Nürnberger Gesetze von 1935.
Warum wurde Heß nicht zum Tode verurteilt?
Das Gericht in Nürnberg sah keine direkte Beteiligung an der Endphase der Verbrechen (Kriegsverbrechen, Holocaust) und verurteilte ihn zu lebenslanger Haft.
Wie starb Ilse Heß?
Ilse Heß starb 1995 im Alter von 95 Jahren in Deutschland; die genauen Todesumstände sind nicht öffentlich dokumentiert.
Gibt es ein Grab von Rudolf Heß?
Nein. Heß wurde eingeäschert und die Asche ohne öffentliche Zeremonie an einem unbekannten Ort verstreut, um eine Grabstätte für Neonazis zu verhindern.
War Rudolf Heß an der Planung des Zweiten Weltkriegs beteiligt?
Als ranghohes NSDAP-Mitglied war er in die frühe Kriegsplanung eingebunden, hatte jedoch nach 1939 wenig Einfluss auf militärische Entscheidungen – sein Flug 1941 erfolgte eigenmächtig.
Warum flog Rudolf Heß nach Schottland?
Heß behauptete, er wolle Frieden mit Großbritannien aushandeln. Die genauen Motive sind bis heute umstritten – ob Eigeninitiative, Intrige oder geistige Verwirrung.